Read Die Wasserfälle von Slunj: Roman by Heimito Doderer Online

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Donald Clayton, einziger Sohn eines englischen Maschinenfabrikanten in Wien, lebt sein geordnetes Leben an der Seite seines Vaters und scheint mit ihm wie ein Bruder verbunden Aber innhalb jener Welt ist solche Brderlichkeit von Vater und Sohn trgerisch Wo der Vater seinen Lebensanspruch durchsetzt, geht der Sohn am Vater zugrunde....

Title : Die Wasserfälle von Slunj: Roman
Author :
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ISBN : B01MU3SWGO
ISBN13 : -
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : C.H.Beck Auflage 2 21 Dezember 2016
Number of Pages : 265 Pages
File Size : 683 KB
Status : Available For Download
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Die Wasserfälle von Slunj: Roman Reviews

  • Ohrwurm
    2020-02-16 12:38

    Heimito von Doderer (1896-1966), wohl der österreichischste aller Großautoren, verursacht einen Zwiespalt der Gefühle: Höchste Verehrung für sein literarisches Schaffen, Bewunderung für seinen Humor und dennoch Vorbehalte seiner eigenen Person gegenüber. Doderers Vita wirft einen Schatten auf sein Werk: Beitritt zur NSDAP 1933, gemütliches Wohnen in Dachau und sein nicht gerade chevaliereskes Betragen gegenüber seiner ersten jüdischen Ehefrau Gusti Hasterlik in gefährlicher Zeit (in den Romanen als Grete Siebenschein verewigt). Nach dem Zweiten Weltkrieg verhinderten diese Stationen das Zustandekommen eines moralisch einwandfreien Verehrer-Kultes wie er um Thomas Mann möglich wurde. Sehr zum Kummer Doderers unterblieb auch jede Nominierung zum Literatur Nobelpreis.Und dennoch. Dies sei alles hier zur Seite geschoben.Blickt man allein auf das Werk, so steht fest:Die "Wasserfälle von Slunj" ist Doderers bester Roman.Zum Inhalt: Ein Panorama Wiens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wird aufgerollt. Die Handlung spielt im eleganten Milieu des Großbürgertums, wobei die neue Schicht der industriellen Unternehmer und Ingenieure mit Selbstbewußtsein auftritt. Viele Charaktere und Handlungsfäden werden miteinander verwoben. Im Zentrum des Geschehens steht die Figur des Donald Clayton. Er ist der Sohn des reichen und tüchtigen englischen Unternehmers Robert Clayton. Die Familie stammt aus England, und Clayton senior, der emotional und begeisterungsfähig ist, hat sich einst unter dem Eindruck einer gelungenen Hochzeitsreise mit seiner damals jungen Frau Harriet in Wien angesiedelt. Es trifft sich aufs beste, dass Neigung und Geschäftssinn zusammen wirken. Rasch verschaffen sich die Claytons Respekt. Alles entwicklet sich prächtig. Die Wiener Gesellschaft nimmt die Engländer, deren Exotik einen unerschöpflichen Reiz darstellt, gerne in ihre Mitte auf. Die Firma prosperiert. So werden die verschiedenen Gestalten und Schicksale um die Claytons teilweise sehr humorvoll ineinander verwoben. Der österreichische Buchhalter Chwostik wird zum Glücksfall und wächst - ebenfalls ein Leitmotiv Doderers - von unscheinbaren Anfängen über sich selbst hinaus. Der junge Donald Clayton indes wird zum tragischen Helden. Wiewohl von den Lebensumständen begünstigt und von seinem tatkräftigen Vater liebevoll gefördert, erreicht der junge Clayton nicht das Potential seines Vaters. Beide, Vater und Sohn, sind einander sogar äußerlich ähnlich, fast wie Brüder, dennoch fehlt es dem jungen Clayton an Entscheidendem: Donald ist von seiner Grundhaltung her passiv und handelt nicht. Dies wird zunächst kaum bemerkt, da die äußeren Umstände ohnedies alles bestens laufen lassen. Mit der Ankunft eines jüngeren Cousins aus Kanada aber wird zunehmend fühlbar, dass Donald ins Hintertreffen gerät. Der junge Cousin, ein Kind noch, schart ohne Anstrengung Freunde um sich. Ein Defizit, das man bei Donald bis dahin noch gar nicht bemerkt hatte. Auch eine sich entspinnende Liebesgeschichte zwischen Donald und einer jungen Ingenieurin gerät ins Stocken. Es ist Donalds Tragik, dass er seine Schwäche nicht erkennt. Und damit - in der Auffassung Doderers - verweigert, die ihn angeborenen Fesseln zu überwinden. Als Kind schon hat Donald unter Angstzuständen gelitten. Immer wieder taucht vor ihm die Vorstellung einer Wasserwand auf. Nie wagt er jedoch, an das Fenster zu treten und bis auf den Grund dieser Wasserwand zu blicken. Diese Passivität, dieses Sich-Nicht-Überwinden wird zu seiner Schuld. Letztlich ist es diese ungelöste Lebensaufgabe, an der Donald zugrunde geht.Den Titel "Die Wasserfälle von Slunj" leitet sich von einem Dorf in Kroatien her. Der kleine Ort Slunj mit seinen Wasserfällen spielt am Beginn des Romans eine Rolle. Am Ende laufen dort wieder alle Handlungsfäden schicksalhaft zusammen.Stilistisch gehört Doderer zu den wenigen Schriftstellern, die im Alter immer besser wurden. Die Wasserfälle erschienen 1963 und sind damit Doderers letzter Roman, der ganz fertig gestellt wurde ("Der Grenzwald" blieb Fragment). Die Sprache hier ist verdichtet, knapp für Doderer, die Handlung streng komponiert, die Personen mit faszinierenden Entwicklungsbögen versehen.Ein Meisterwerk der Weltliteratur.

  • Helga Herdt
    2020-01-27 07:32

    Dieses Buch ist neben "Ein Mord den jeder begeht" und "Die Strudelhofstiege" mit eines der besten von Heimito von Doderer.

  • Thomas Dworschak
    2020-02-05 06:26

    Bewundernswert ist zum einen die konzentrierte und dicht gearbeitete "Durchführung" (Doderer selber verglich den Roman mit dem Satz einer Symphonie), in der Motive höchst durchdacht eingewoben, durchgeführt und, wenn es die Komposition erfordert, wieder mit einem sarkastischen Stiefeltritt hinausgekickt werden. Noch großartiger ist allerdings die Tiefe der psychologischen Charakterdarstellung, die sich treffender Metaphern bedient, um gleich wieder zum Leitmotiv zu werden - im Dienste des großen Themas, des Herausfallens einzelner Personen aus dem geordneten Daseins, des Durchbruchs durch die gesellschaftliche Oberfläche zu tiefen Zerrüttungen der Personen. Vor diesem Hintergrund braucht einen das komplexe Personengeflecht nicht weiter zu irritieren.

  • None
    2020-02-02 10:24

    Wie alle Doderer Werke ist es ein etwas langatmiges Buch, das man immer wieder geneigt ist, wegzulegen und aufzugeben. Es lohnt sich aber, das nicht zu tun. Wo sonst kann man schon so viel über das Wien des 19. Jahrhunderts und seine Gesellschaft erfahren? Wo sonst verspießen sich die Ereignisse sosehr, zerfließen und schwimmen wieder aneinander auf diesem Niveau? Es ist eine Geschichte von Chwostik, dem braven Buchhalter, von Finny und Feverl, zwei Huren, von einem ungarischen Gutsbesitzer, von dem Bismarckclub und vielen anderen, und alle Fäden laufen doch bei einer englischen Industriellenfamilie, die in eine Villa in Praternähe besitzt, zusammen. Doderer fast in Bestform.

  • euripides50
    2020-02-15 11:34

    Zwei Genüsse gibt es, die die Literatur dem Leser schenkt: eine gute Geschichte und eine gute Sprache. Die wahren Meister bieten beides in einem Werk - man denke nur an "Madame Bovary" von Flaubert oder "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann. Es scheint aber geradezu ein Merkmal vieler Bücher zu sein, dass die Autoren unübersehbar ihre Stärken nur in nur einem der beiden Bereiche zeigen können. Entweder gibt es Meister der Konstruktion von Geschichten wie etwa Ken Follett, den niemand als Sprachgenie bezeichnen wird - oder begnadete Ästethen der Sprache - wie etwa Heimito von Doderer. Ehe mir das für das vorliegende Buch klar wurde, musste ich aber erst 150 Seiten lesen und mir schließlich eingestehen, dass die Konstruktion der Geschichte tatsächlich keinen Vergleich mit der Sprache aushält, in der sie dargestellt wird.Deswegen ist die Handlung des vorliegenden Romans auch schnell erzählt. Es geht um die englische Industriellenfamilie der Claytons, genau gesagt: um Vater und Sohn, die in der besseren Wiener Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg heimisch werden, ferner um den geschickten Chwostik, der innerhalb der Firma vom Handlanger zum Direktor aufsteigt, ehe er am Ende dem Vater die Nachricht vom Tod des Sohnes bringen muss.Bis dahin vergehen fast vierhundert Seiten detaillierter Milieu- und Personalbeschreibung, von der "verkröterten Troglodytenexistenz" der Hausmeisterin Wawelka, von Fini und Feverl, zwei jungen Wiener Prostituierten, die schließlich auf dem Hof eines ungarischen Viehbarons landen, dem Gymnasiasten im Metternich-Club, der unzeitgemäßen Ingenieurin Monica - und vielen mehr. Auch wenn all diese Gestalten wie Treibholz in einem großen Fluss dahin dümpeln, sind die sprachlichen Wendungen, Aphorismen und Reflexionen, die der Autor bei seinen Darstellungen gleichsam nebenbei ausbreitet, schlichtweg grandios. "Wann ist man erwachsen?" fragt Doderer scheinbar beiläufig, um zu antworten Wenn man nicht mehr auf sich selbst hereinfällt." An einer anderen Stelle heißt es "Nur auf der allerobersten Stufe des Schweigens steht der Tiefsinn - unten aber der Stumpfsinn." Und so geht das über den gesamten Roman, so dass man versucht ist, es den Angehörigen der weltweiten Doderer-Fangemeinde gleichzutun und sich diese Sprüche in einem besonderen Notizbuch zu notieren.Aber, man traut es sich kaum zu sagen, unleugbar ist auch, dass der Roman mit dem zunehmenden Fortgang der Handlung zerfasert. Handlungsträger werden unter großen Buhei einfach entfernt, andere treten mit Getöse neu und unnötig noch nach 300 Seiten in die Geschichte ein. Am Ende habe ich jedes Interesse an der Weiterentwicklung der Erzählung verloren, denn die Handlungsführung wurde immer beliebiger. So steht am Ende des Buches auch der klassische deus ex machina: Der arme und liebeskranke Donald Clayton stürzt in die Wasserfälle von Slunji, und alle machen lange Gesichter.Insgesamt ein Buch, dessen imponierende sprachliche und psychologische Kraft den Leser den Mangel an Handlungsführung nur um so schmerzlicher verspüren lässt.