Read Augenzeuge des Konstanzer Konzils: Die Chronik des Ulrich Richental by Ulrich Richental Online

augenzeuge-des-konstanzer-konzils-die-chronik-des-ulrich-richental

Vier Jahre lang tagte das Konzil von Konstanz in der beschaulichen Stadt am Bodensee Hier verhandelte die geistliche und weltliche Prominenz Europas die Probleme der sptmittelalterlichen Kirche Es war die grte politische Zusammenkunft des Mittelalters, eine einzigartige Veranstaltung, zu der zeitweise bis zu 70.000 Gste in Konstanz gewesen sein sollen Das machte sich natrlich auch im Leben der Konstanzer Brger bemerkbar.Anschaulich und detailliert hlt der Augenzeuge Ulrich Richental die Geschehnisse im Groen wie im Kleinen fest Er war sozusagen der erste Klatsch und Lokalreporter der Geschichte und bietet Einblicke in das Treiben einer sptmittelalterlichen Stadt vor dem Hintergrund der politisch religisen Mchtespiele Anlsslich des 600 jhrigen Jubilums erscheint die Chronik des Ulrich Richental zum ersten Mal in heutiges Deutsch bersetzt Der Band ermglicht so einen direkten Zugang zu einem der spannendsten Ereignisse des Mittelalters.Ulrich Richtental 1360 1437 war der Sohn eines Konstanzer Stadtschreibers Er war wahrscheinlich als Kaufmann ttig und hatte es zu einigem Wohlstand in der Stadt gebracht, wo er Haus und Grundeigentum besa Aus eigenem Antrieb verfasste er eine umfangreiche Chronik ber das Konstanzer Konzil....

Title : Augenzeuge des Konstanzer Konzils: Die Chronik des Ulrich Richental
Author :
Rating :
ISBN : B01M30VEG8
ISBN13 : -
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : wbg Theiss Auflage 1 Auflage 2014 1 Oktober 2014
Number of Pages : 203 Pages
File Size : 861 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Augenzeuge des Konstanzer Konzils: Die Chronik des Ulrich Richental Reviews

  • Volker M.
    2020-02-15 11:31

    Es sind ziemlich unübersichtliche Zeiten, als Papst Johannes XXIII das Konzil in Konstanz einberuft. Mit ihm streiten Papst Gregor und Papst Benedikt um die Hoheit in der Kirche, England und Frankreich liegen seit fast 100 Jahren im Dauerkrieg, das Römische Reich (Deutscher Nation wird es erst später heißen) wird durch Machtkämpfe erschüttert. Und dann gelingt es König Sigismund, alle verfeindeten Parteien an einen Tisch zu bringen und Konstanz als Austragungsort durchzusetzen. Der Hauptgrund für das Konzil ist und bleibt allerdings die Überwindung der Kirchenspaltung, in deren Folge zunächst Papst Johannes sein Amt verliert und ihm dann sukzessive Papst Gregor und Papst Benedikt zwangsweise nachfolgen. Nach fast vier Jahren Konzil wird die Kirche unter Papst Martin wieder vereint sein und für Konstanz geht der Höhepunkt seiner Stadtgeschichte zu Ende. Das muss den Menschen schon damals bewusst gewesen sein, denn von der berühmten Chronik des Ulrich Richental, Sohn des Konstanzer Stadtschreibers, gibt es eine ganze Reihe von Abschriften (16 sind erhalten), von denen die meisten wohl im Auftrag der Stadt oder wohlhabender Bürger hergestellt wurden. Die berühmteste Fassung ist die aus dem Rosgartenmuseum in Konstanz, obgleich sie weder die älteste ist, noch aus ihr der ursprüngliche Autor hervorgeht. Als älteste Fassung gilt unter Kunsthistorikern die Aulenbacher Version von ca. 1460, d. h. auch diese ist bereits ein halbes Jahrhundert nach dem Konzil entstanden. Jürgen Klöckler hat in einem ausgesprochen spannend zu lesenden Nachwort die Hintergründe der Entstehung und die Schwierigkeiten der Forschung dargestellt. Diese Analyse war bereits letztes Jahr Teil der ausgezeichneten Faksimileausgabe der Konstanzer Rosgarten-Fassung () und wurde dankenswerterweise auch in der Transkriptionsausgabe abgedruckt.Womit wir beim Thema Transkription wären. Wer die in einem schwäbischen Dialekt des 15. Jahrhunderts verfasste Faksimileausgabe tatsächlich lesen und verstehen kann, der besitzt zweifellos ein hochgradig spezialisiertes Wissen. Die zahlreichen Abbildungen geben der Handschrift zwar einen eigenen Wert, vollends erschließt sich das Werk aber erst durch die hier vorliegende Transkription des Textes ins Hochdeutsche. 1913 wurde die Aulendorfer Fassung der Chronik einmalig als Volksausgabe ins Hochdeutsche übersetzt, danach hat sich niemand mehr an diese Aufgabe gemacht, was völlig unverständlich ist, wenn man das Ergebnis betrachtet: Trotz des vermeintlich sperrigen Themas ist die Übersetzung derart lebendig und eingängig gelungen, dass die Lektüre ausgesprochen leicht von der Hand geht. Natürlich stehen die offiziellen Veranstaltungen und die Repräsentanten der beteiligten Mächte im Fokus der Chronik, aber es sind eben auch die Dinge des täglichen Lebens, die Richental protokolliert: Die Versorgung mit Lebensmitteln, Futter und Brennholz, die Kriminalität, Rivalitäten, spektakuläre Ereignisse. Man erfährt oft genau das, was in den offiziellen Dokumenten fehlt, was aber viel deutlicher die Lebensumstände in der Stadt beschreibt. Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Über vier Jahre versammelten sich bis zu 70 000 Gäste in einer Stadt, die 6000 Einwohner hatte und dabei war es den Gästen zeitweise nicht einmal erlaubt, die Konzilstadt zu verlassen. Erstaunlicherweise kam es nie zu kritischen Versorgungssituationen, ja die Preise sanken sogar, da den Händlern verboten wurde, Waren wieder auszuführen, die einmal eingeführt waren. Eine logistische Meisterleistung, an der natürlich auch die verkehrsgünstige Lage der Stadt eine Ursache hat.Man darf von der Chronik keine historische Neutralität erwarten. Richental bezieht permanent wertende Position, ob es nun um die Legitimation der Päpste geht oder um die (eigentlich rechtswidrige) Verbrennung des Jan Hus. Das steht allerdings im Einklang mit dem Selbstverständnis auch anderer Historiker seiner Zeit, die die herrschende (im Sinn des Wortes!) Meinung ebenfalls nicht hinter dem Berg halten. Die Person Richental ist übrigens in der Konstanzer Fassung mehr oder weniger getilgt. Im Gegensatz zur Aulenbacher Fassung kommt das Wort "Ich" hier nicht mehr vor und nur an wenigen Stellen wird der Name Ulrich Richental überhaupt genannt. Gäbe es die anderen Versionen nicht, wäre der Autor wohl unbekannt geblieben.Einige wenige Abbildungen aus dem Original, sowie historische Stadtpläne ergänzen den Text, allerdings sind die meisten Zeichnungen nicht reproduziert, sondern an den entsprechenden Textstellen befindet sich nur ein kurzer Hinweis auf den Inhalt der Abbildungen. Wer das Faksimile parallel lesen kann, dem erschließt sich dann die volle Qualität der Chronik. Die sparsame Kommentierung beschränkt sich auf das Notwendige, das der Leser zum Verständnis braucht. Kirchliche Daten werden in unser Kalendersystem übersetzt, auf Faktenfehler wird hingewiesen. Es ist keine kritische Kommentierung, ein Vergleich der verschiedenen Fassungen findet, bis auf wenige Ausnahmen, nicht statt. Das erhöht die Lesbarkeit ungemein.Ich war ehrlich überrascht, wie spannend und lebendig diese Chronik auf Hochdeutsch wirkt, ohne dass ihr der altertümliche Touch verloren geht. Man muss das Gelesene immer im Licht seiner Zeit beurteilen, denn dann erfährt man eben nicht nur die historischen Fakten (die im Übrigen nicht immer stimmen), sondern auch viel über das Leben in einer Stadt im Ausnahmezustand.