Read Hysterische Historiker: Vom Sinn und Unsinn eines verordneten Geschichtsbildes by Horst Schneider Online

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Der renommierte Geschichtswissenschaftler HorstSchneider wagt den Diktaturenvergleich.Reichlich sprudelnde Geldquellen haben eine Hysterieunter Historikern ausgel st Sie bem hen sich, die l ngstbegrabene Totalitarismustheorie wieder zu beleben,um das von h chsten Stellen gew nschte Geschichtsbildder zwei deutschen Diktaturen zu malen Dass solcherart Auftragsmalerei wenig mit kritischer Geschichtswissenschaftzu tun hat, weist Horst Schneider in diesemBand berzeugend nach....

Title : Hysterische Historiker: Vom Sinn und Unsinn eines verordneten Geschichtsbildes
Author :
Rating :
ISBN : 3939828157
ISBN13 : 978-3939828150
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : Heinen, Wiljo Auflage 2., durchges u erg 23 September 2008
Number of Pages : 318 Seiten
File Size : 872 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Hysterische Historiker: Vom Sinn und Unsinn eines verordneten Geschichtsbildes Reviews

  • Danny Knnicke
    2020-02-09 17:14

    Horst Schneider hat es sich mit seinem Buch zur Aufgabe gemacht, der Einschätzung der DDR als totalitäre Diktatur durch die aktuelle Totalitarismusschule entgegen zu treten. Ein hehres Anliegen und auch durchaus notwendig. Schneider spricht dabei auch eine Reihe von Fakten an, die nachdenklich stimmen und zu einer vielschichtigeren Bewertung der DDR führen sollten. Aber sein eigentliches Ziel verfehlt er um Längen.Zum einen liegt das an der Methode des Vorgehens. Schneider kündigt an, die DDR mit dem Hitlerregime und der BRD zu vergleichen, um so den Beweis zu führen, dass die DDR eben kein totalitäres Regime war. Dabei listet er viele Kontinuitätslinien zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittem Reich und der BRD auf. Das ist zum größten Teil bekannt und in etlichen Publikationen schon dargestellt worden. Die DDR weist diese Kontinuitäten natürlich nicht auf, woraus Schneider schließt, sie sei eben keine Diktatur gewesen. Er unterschlägt dabei, dass Diktaturen durchaus unterschiedliche Formen annehmen können. Und nicht jeder Historiker stellt die DDR dem Hitlerregime gleich. Die vorhandene Meinungsvielfalt in dieser Frage unterschlägt Schneider.Dazu kommt, dass Schneider für seinen Vergleich nur Bereiche gewählt hat, bei denen die Unterschiede zwischen DDR und Drittem Reich offenkundig sind (Eigentumsverhältnisse, Außenpolitik, Justizwesen, Eliten usw.). Bereiche wie Bildungspolitik, Propaganda und Indoktrination, Sozialleistungen, Gesundheitsfürsorge und ähnliche lässt er aus. Gerade hier wären aber durchaus Parallelen sichtbar geworden. Und bei den ausgewählten Bereichen vergleicht er auch nicht wirklich im Sinne eines Vergleiches. In fast allen Kapiteln weist er nur auf die Kontinuitäten zwischen Drittem Reich und BRD hin und eben darauf, dass es diese in der DDR nicht gab. So richtig das ist, ein Vergleich zwischen den Diktaturen Hitlerdeutschland und DDR ist das nicht. Den scheut Schneider.Mitunter nimmt das auch kuriose Formen an. Im Kapitel Justiz beispielsweise erzählt er seitenlang, wie die westdeutsche Justiz nach 1990 die DDR- Eliten verfolgt habe und wie viele rechtskräftig in der DDR verurteilte Personen rehabilitiert worden sind. Und listet im Gegenzug auf, wie die BRD seit den 1950er-Jahren Andersdenkende (mithin: Kommunisten) verfolgt hat. Über die Rechtssprechung in der DDR gegen Andersdenkende oder Republikflüchtige verliert er kein Wort. Andere Kapitel sind ähnlich aufgebaut. Von daher gilt: Thema verfehlt.Schneiders Argumentation krankt aber auch an anderen Fehlern. Zum einen stellt er Hitler immer wieder als reine Marionette des Großkapitals dar. Das darf angesichts der großen Zustimmung der Bevölkerung bis weit in den Krieg hinein und der eher opportunistischen und auf Gewinne ausgerichteten Haltung der Großunternehmer als überholt gelten. Schneider kann sich hier nicht aus der marxistischen Geschichtsschreibung lösen und sieht alles aus der Perspektive des Klassenkampfes. Seine idealisierende Sicht auf die DDR und der Unmut über deren Einstufung als Diktatur verstellen ihm zudem den Blick auf die Schattenseiten des real existierenden Sozia-lismus. Und hier liegt das größte Manko seiner Arbeit.Die DDR wird immer wieder als friedensliebend, friedfertig und Vorkämpferin der Völkerverständigung dargestellt. Die Militärdoktrin der NVA wird ausgiebig zitiert (und für bare Münze genommen), für die Haltung der BRD wird dagegen ein Satz zitiert, der vor einiger Zeit auf dem Titel des Spiegelmagazins prangte ("Die Deutschen müssen das Töten lernen"). Kein Wort verliert er über die Haltung der DDR beim Aufstand der Ungarn 1956, beim Prager Frühling 1968 oder beim Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan 1979. Wo waren da die Friedensappelle der DDR-Führung? Im Übrigen kann ein Regime, das seine eigene Bevölkerung einmauert kaum als Vorbild für Völkerverständigung gelten. (Das ist natürlich nur meine persönliche Meiung.)Grotesk wird es, wenn Schneider die Mauertoten mit den Wirtschaftsflüchtlingen heutiger Zeit gleichsetzt und sich zu der These versteigt, vieles wäre anderes gelaufen, wenn die BRD erstere abgewiesen hätte. Ebenso unverständlich (in meinen Augen und ich habe selbst eine Magisterarbeit zu dem Thema eingereicht) ist sein Festhalten an der offiziellen DDR- Version des 17. Juni 1953 als faschistischer Konterrevolution. Ähnlich sieht es mit seiner Darstellung des MfS (allgemein als StaSi bezeichnet) aus. Dieser Geheimdienst sei gewesen wie jeder andere und habe nur der Sicherung der DDR nach außen und innen gedient. Dem gegenüber stellt er den BND mit seinen braunen Wurzeln (auch das ist nichts Neues) und seinem alten, von Hitler übernommenen Kampf gegen den Bolschewismus. Das ist alles nicht falsch, nur verliert Schneider beispielsweise kein Wort über die massive, umfassende und durch kein DDR- Gesetz gedeckte Bespitzelung der Bevölkerung der DDR. Mit normaler Gefahrenabwehr hatte das wenig zu tun. Andere Kapitel sind ähnlich schönfärberisch. Die mitunter guten Ansätze verpuffen so.Zu guter letzt noch etwas zur sprachlichen Gestaltung. Schneiders Buch ist flüssig geschrieben und durchgehend leicht verständlich. Mitunterfallen zwar Namen und Daten, die nicht erklärt werden, was den Lesefluss aber nur unwesentlich stört. Störender sind dagegen seine Polemik, die sich oft in rhetorischen Fragen ausdrückt und seine endlosen Tiraden gegen die Totalitarismusforscher. Ständig wird darauf verwiesen, was diese alles unterlassen hätten, mitunter auch an reichlich unpassen-der Stelle. Nervig ist auch, dass Schneider immer von "wir" spricht, wobei unklar ist, wen genau er damit meint.An der Literaturliste und dem Anmerkungsapparat (am Ende des Buches) gibt es soweit nichts auszusetzen. Es fällt aber auf, dass Schneider oft "linke" Autoren, Angehörige der DDR- Eliten und auch Veröffentlichungen aus der untergegangenen DDR als Quelle anführt. Daran ist an sich nichts falsch, es ist nur etwas einseitig.Fazit: Schneider verfehlt sein Ziel, die DDR von dem Vorwurf einer totalitären Diktatur freizusprechen, völlig. Zum einen weil er eben keinen Vergleich zieht oder auch nur die Argumente der Totalitarismusforscher auseinander nimmt (was so schwer nicht ist). Zum anderen weil er die DDR durch eine Art rosarote Brille sieht. Lesbar ist das Buch trotzdem, man sollte aber immer genau darüber nachdenken, was er sagt und was Schneider eben nicht sagt.