Read Nachrichten aus dem 4. Reich by Gerhard Jelinek Online

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Auch gro e geschichtliche Ereignisse bestehen aus ungez hlten kleinen Mosaiksteinen Jede Lebensgeschichte ist so ein Stein, viele ergeben zusammengef gt ein historisches Gesamtbild Nur aus den Einzelschicksalen wird das Ausma der Trag die des Anschlussjahres 1938 begreifbar Gerhard Jelinek holt in den vorliegenden Gespr chen mit sterreichischen Emigranten in New York das Wien der sp ten Drei iger Jahre zur ck Mit Pr lat Johannes Oesterreicher erz hlt ein enger Mitarbeiter von Kardinal Innitzer ber die politischen Fehleinsch tzungen des Erzbischofs Es war kein Mangel an Charakter, eher ein Manko der Intelligenz Fritz Spielmann, Sch pfer des Gassenhauers Schinkenfleckerln , in dem ollweil des Fleisch Versteckerln spielt , schildert die harte Zeit in der Emigration, die auch Verlust der Sprache bedeutet hat Der Vaterl ndische Hans Walter Hannau zeichnet ein ungew hnliches Bild der Rolle von Sey Inquart in den M rztagen 1938 Zwei Dutzend Lebensberichte leidenschaftlicher sterreicher, die wie in einem fernen Spiegel aus Manhattan die Zeit der Emigration und die Selbst Zweifel an Heimkehr und Heimat nach dem Ende des Kriegs aufleben lassen Betroffen Ber hrend Besch mend....

Title : Nachrichten aus dem 4. Reich
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ISBN : 3902404647
ISBN13 : 978-3902404640
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Ecowin Auflage 1 3 September 2008
Number of Pages : 576 Pages
File Size : 576 KB
Status : Available For Download
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Nachrichten aus dem 4. Reich Reviews

  • Winfried Stanzick
    2020-03-10 18:56

    Im Februar und März 1988 haben der Wiener Journalist Gerhard Jelinek und sein Kollege Andreas Weber anlässlich der 50. Wiederkehr des "Anschlusses" Österreichs an Nazideutschland in New York etwa zwei Dutzend Interviews geführt mit Menschen hauptsächlich jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung, die in den Jahren 1938 bis 1942 ihr Heimatland Österreich verlassen mussten, wollten sie ihr Leben retten.Über 60 Stunden Tonmaterial kamen damals zusammen, doch als die beiden Journalisten nach Österreich zurückkehrten, war die innenpolitische Stimmung wegen dem Skandal um Kurt Waldheim so aufgeladen, dass nur 3 Portraits gesendet werden konnten. Nun, 70 Jahre nach dem Anschluss hat Gerhard Jelinek das Material wieder aus der Schublade geholt und mit der Veröffentlichung aller damaligen Interviews den porträtierten, in der Zwischenzeit fast allesamt verstorbenen Menschen Gerechtigkeit widerfahren lassen.Es sind wichtige Stimmen aus dem "Vierten Reich". So hieß das Viertel im Norden von Manhattan damals bei den Emigranten. Gerhard Jelinek erinnert sich noch genau an diese bewegenden Gespräche im Frühjahr 1988, obwohl er in der Zwischenzeit die Bänder fast vergessen hatte:"Die in vielen Gesprächen gehörte und empfundene Großzügigkeit, das Bemühen um Verständnis, wofür es eigentlich keine Erklärung und schon gar keine Entschuldigung gibt, hat uns damals überrascht und beschämt."Auch der heutige Leser ist bewegt und betroffen von den Zeugnissen dieser Menschen, Musiker, Künstler darunter, Menschen, die vollkommen mittellos in Amerika ankamen und sich doch mit ihren Talenten und Kenntnissen irgendwie durchschlugen.Dieses Buch ist wichtig für die Öffentlichkeit eines Landes, in dem es genau wie in Deutschland auch keinen "Schluss der Debatte" geben darf. Wie sagte noch Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Rede 40 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges:"Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah, aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird."Dieses Buch, das auch für nichtösterreichische Leser interessant ist, gibt den Emigranten ihre Stimme zurück, und konfrontiert die gegenwärtige Öffentlichkeit im Land mit einem Thema, das auch bei unseren Nachbarn immer noch gerne verdrängt, verharmlost oder verschwiegen wird.

  • Mario Pf.
    2020-03-12 22:01

    Als 4. Reich bekannt wurde jene Gegend im Norden Manhattans, die eigentlich Washington Heights genannt wird und in den 30er-Jahren zu einem Ziel für zahlreiche Emigranten aus Österreich und Deutschland wurde, die damit dem Nationalsozialismus den entkommen konnten. Von 130.000 ausgereisten österreichischen Juden, nahm Nordamerika alleine 28.700 auf. Zusammen mit dem späteren News-Chefredakteur Andreas Weber, unternahm Gerhard Jelinkek 1988 anlässlich des 50. Jahrestages des Anschlusses Österreichs und der Waldheim-Affäre eine Reise nach New York, um dort ein besonderes Oral History-Projekt durchzuführen. Indem sie die Flüchtlinge von 1938 zu Wort kommen lassen, gelingt es ihnen "... ein Bild der Märztage 1938, aber auch der Zeit zwischen den Kriegen, der Emigration und der Zeit nach 1945" (Seite 18) aus Sicht der unmittelbar Betroffenen zu vermitteln.Aus erster Hand erhält man einen Einblick in die Umstände sehr unterschiedlicher Lebens- und Fluchtgeschichten, sowie die heutige Einstellung der befragten Emigranten zur einstigen Heimat. Dabei erfährt man sehr vieles über die persönlichen Erlebnisse und Wahrnehmungen, besonders des autoritären Ständestaats und der Umwälzungen in den letzten Märztagen der Ersten Republik. So manches überrascht, vor allem den zeitgeschichtlichen Laien, wenn etwa der "Vaterländische" Hans Walter Hannau ein ungewöhnliches Bild vom Schuschnigg-Vertrauten Arthur Seyß-Inquart als eine Art falscher Nazi und Beschwichtigungspolitiker vermittelt, indem er darstellt, wie Seyß-Inquart erst 1938 NSDAP-Mitglied und Regierungsmitglied wurde, um im Sinne Schuschniggs die Nazis in die Regierung einzubinden und von Angriffen auf die Souveränität Österreichs abzuhalten. Der aus Ungarn stammende Arzt und Sozialdemokrat Richard Berczeller weiß weiter zu berichten (Seite 36): "Man hat ja in der Schuschnigg-Zeit auch gelesen, dass es ein KZ Dachau gibt.""Es wird schon nicht so schlimm werden", dachten sich im Frühjahr 1938 noch viele Österreicher, war doch Antisemitismus seit den Zeiten Karl Luegers im Ständestaat wenig gegenwärtig und manche Juden unterstützen sogar die katholisch-konservative Vaterländische Front. Die Stimmen aus dem 4. Reich wissen davon zu berichten, wie verzweifelt man an eine Fortbestand Österreichs hoffte und dass Bundeskanzler Kurt Schuschnigg sein Versprechen von "rot-weiß-rot bis in den Tod" halten würde. Der Ständestaat-Kanzler versuchte den Konflikt und weitere Anschläge der illegalen Nationalsozialisten zu vermeiden, indem er begann Verhandlungen mit Hitler zu führen und eine Politik der "geheimen Deutschtümelei" einzuschlagen, etwa indem er versuchte die Deutschnationalen, welche größtenteils zu Anhängern der NSDAP geworden sind, in einem eigenen Referat zusammenzufassen, wie man es bereits mit den Arbeitern versucht hatte. Als Schuschnigg schließlich im Versuch ein Blutvergießen zu vermeiden, als Kanzler abdankte, gab er Österreich kampflos auf und wurde nach Gestapo-Haft selbst in das KZ Sachsenhausen überstellt.Wer noch nicht an Emigration gedacht hatte, wurde durch den Einmarsch des Deutschen Reichs und dem Anschluss vor vollendete Tatsachen gestellt. Seyß-Inquart war zunächst als Schuschniggs Vize-, Bundeskanzler geworden und nach der Abdankung Wilhelm Miklas auch als Bundespräsident in die einzigartige Lage geraten, das Ende Österreichs in kürzester Zeit sogar fast rechtsstaatlich zu besiegeln. Das Drama vieler Flüchtlinge nahm damit erst seinen Lauf, die einstige Heimat für die man patriotisch eingetreten war, wurde zum verlorenen Boden. "Wir sind happy, aber nicht glücklich", galt als zynischer Scherz und vielen der Emigranten, denn wie Richard Berczeller formulierte (Seite 39): "Ein Mensch kann die Heime wechseln, er kann aber die Heimat nicht wechseln."Fazit:Auf sehr einprägsame Weise ein Augenöffner, für die Gegenwart wie auch Aspekte der österreichischen Zeitgeschichte, die man so vielleicht noch nie betrachtet hat.[Diese Rezension basiert auf einem kostenfreien Rezensionsexemplar]

  • VivaLaVida
    2020-03-05 20:57

    Sensibel geschriebene Lebensberichte einer verlorenen Generation. Dem Autor gelingt es die Interviews zu persönlichen Lebensgeschichten zu verdichten, die sehr viel über die Umstände der Emigration und über den Wahnsinn der Hitler-Ära zeigen. Die Erzählungen der in New York Zuflucht gefunden habenden Emigranten aus Wien machen die Zeit des März 1938 lebendig und erzählen, wie das Grauenhafte über Nacht hereingebrochen ist. Obwohl die Gesprächspartner alle überdurchschnittlich gebildet waren, ahnte kaum jemand, was da kommen würde. Ein beängstigendes Szenario. Was ahnen wir heute nicht, was vielleicht morgen kommt? Ein wichtiges, lesenswertes Buch