Read Italien retten by Paul Ginsborg Online

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Paul Ginsborg ist einer der besten Kenner der italienischen Geschichte und aktives Mitglied der Zivilgesellschaft Italiens, wo er seit 18 Jahren lebt und dessen Staatsb rger er vor kurzem geworden ist Sein neues Buch ist geschrieben gegen die Traurigkeit und Resignation, die sich in seinem Land breitmachen, und gegen die Entt uschung ber den Zustand der italienischen Demokratie, in und au erhalb des Landes Nach einer kurzen, aber umso treffenderen Skizze der jetzigen Gesellschaft stellt Ginsborg vier provozierende Fragen Lohnt es berhaupt, Italien zu retten Wenn ja, welchen Platz soll es in der modernen Welt einnehmen Von wem und von was soll Italien errettet werden Wer kann Italien retten Zur Beantwortung der Fragen stellt Ginsborg anl sslich des 150 Jahrestags der Vereinigung das heutige Italien auf den Pr fstand der Ideen des Risorgimento, die damals zum Zusammenschluss gef hrt haben Patriotismus, Nationalismus, ffentliche Moral, Gleichheit und Freiheit....

Title : Italien retten
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ISBN : 380312655X
ISBN13 : 978-3803126559
Format Type : Hardback
Language : Deutsch
Publisher : Verlag Klaus Wagenbach Auflage 1 22 Februar 2011
Number of Pages : 128 Seiten
File Size : 892 KB
Status : Available For Download
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Italien retten Reviews

  • Ulrich Gellermann/Rationalgalerie
    2020-02-05 13:44

    Das ist mal eine verführerische Überschrift: "Italien retten" das steht auf dem Umschlag des Buches von Paul Ginsborg und natürlich wollen alle wissen, wann und wie. Der englische Historiker beginnt sein Plädoyer zur Rettung Italiens damit, dass er Staatsbürger des Landes wird, an dessen florentinischer Universität er lehrt. Und gleich zu Beginn des Buches, 150 Jahre nach der Gründung des italienischen Nationalstaates, springt er ins "Risorgimento", jene Zeit der Wiedergeburt der italienischen Nation, in die Zeit, in der Mazzini, Buonarotti und natürlich Garibaldi an der Einheit des italienischen Flickenteppichs wirkten. Da Italien im Moment auseinander zu fallen droht, nicht nur in einen nördlich und südlichen Teil, auch in einen gebildeten und eine berlusconischen, scheint ihm der Rückgriff auf den Beginn der Industrialisierung Italiens und seinen von der französischen Revolution inspirierten Einigungspatriotismus, die Anleitung zum Fortschritt zu sein.Der moderne italienische Staat wurde zweimal geschaffen: Erstmalig fraglos mit dem Risorgimento, dessen 150. Geburtstag in diesen Tagen viel Papier bewegt. Zweitmalig allerdings mit der "Resistenza", dem breiten politischen und bewaffneten Widerstand vieler Italiener gegen den hausgemachten Faschismus und die Kräfte des deutschen Nationalsozialismus. Die Resistenza ist, anders als die weiter zurückliegende Zeit des Risorgimento, seit Jahren Hauptangriffsziel des Berlusconi-Regimes. Denn sie war der Gründungsmythos der jetzigen italienischen Republik, die übergreifende Idee, von den Kommunisten bis zu den Christdemokraten. Warum Ginsborg sie bei seinem Rettungsplan nahezu ausblendet, ist schwer zu verstehen.Ginsborgs wesentliche Quelle zur Erneuerung Italiens, mittels der Erinnerung an das Risorgimento, ist der Philosoph Carlo Cattaneo (gestorben 1896), dessen Ziel es war, die italienische Einheit in einer Konföderation zu finden und dessen Idee der kommunalen Selbstverwaltung der heutige Retter Italiens, Paul Ginsborg, als wesentliches Mittel zur Glättung der Widersprüche zwischen Nord und Süd begreift. Mit Cattaneo analysiert der Autor zu recht die historisch prägende Rolle der norditalienischen Stadtstaaten und deren Selbstverwaltungen, um zugleich den Mangel an Demokratie und Infrastruktur im Süden Italiens zu beklagen. Wenn in diesem Zusammenhang weder die enge Verbindung der amerikanischen Invasionsarmee mit der Mafia erwähnt, noch die Ende der 40er Jahre anlaufende CIA-Operation "Demagnetize" zur Zersetzung der italienischen Gewerkschaften in die Analyse einbezogen werden, dann erscheint die Nachkriegslücke des Buches besonders deutlich.Die Schwäche der italienischen Linken, auch im Ergebnis des Zerfalls der sozialistischen Länder, ähnelt durchaus der Schwäche der europäischen Linken mit ihrem Mangel an Zukunftsmodellen und dem Verlust des "revolutionären Subjekt". Ginsborg glaubt, auf der Suche nach einer verändernden Kraft, eine "nachdenkliche Mittelschicht" in Italien zu erkennen, die ein Sensorium für die "nachteiligen Auswirkungen des rücksichtslosen Konsumismus" entwickelt habe und die aus dem öffentlichen Dienst, der Kulturindustrie oder dem Lehramt stamme und Träger vieler Bewegungen sei. Und tatsächlich lässt sich auch in Deutschland beobachten, dass die jüngsten Initiativen gegen die Atomindustrie zum Beispiel oder gegen "Stuttgart 21" in einem ähnlichen Milieu verankert sind. Doch viel mehr als ein kategorisches Nein ist auch in diesen Kräftefeldern nicht zu finden.Der Autor wünscht sich eine "sanftmütige Nation", die die notwendige Änderungen zur Rettung Italiens betreiben soll. Dass der italienische Staat mit seiner brutalen Medienmacht und im Konfliktfall auch gewalttätiger Polizei keineswegs sanftmütig ist, schimmert im Buch kaum auf. So bleibt "Italien retten" ein frommer Wunsch, ein Beitrag zur Debatte, der kaum über deren Ist-Stand hinausragt.