Read Typisch evangelisch. Grundbegriffe des Glaubens by Siegfried Kettling Online

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Taschenbuch, 218 Seiten, Misson Jesus Christus allein Jan 2010 Was ist das Typische am Evangelium Evangelium umfasst als frohe Botschaft beides Gottes notwendige Tat und die befreiende Kunde davon Beides der frohmachende Inhalt der Botschaft und ihre befreiende Wirkung sind die Themen der f nf Kapitel dieses Buches Sie wollen verbinden zwischen Lehre und Leben, zwischen Dogmatik und Verk ndigung Aus dem Inhalt Die Rechtfertigung des Gottlosen Rechtfertigung und Heiligung Vom unfreien Willen auch als gesonderes Buch lieferbar Der reformatorische These Vom unfreien Willen und der evangelistische Ruf zum Glauben Heute das Evangelium verk ndigen...

Title : Typisch evangelisch. Grundbegriffe des Glaubens
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ISBN : 3765595373
ISBN13 : 978-3765595370
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : Brunnen Verlag GmbH Oktober 1997
Number of Pages : 260 Pages
File Size : 569 KB
Status : Available For Download
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Typisch evangelisch. Grundbegriffe des Glaubens Reviews

  • ichthys-Redaktion
    2020-02-15 19:19

    Die gerade im gegenwärtigen theologischen Pluralismus ganz unterschiedlich beantwortete Frage, was eigentlich das typisch Evangelische des Protestantismus ist, stellt sich Pfarrer i. R. Siegfried Kettling ' ehemals Lehrer für Theologie des Neuen Testaments an der Missionsschule Unterweissach ' im gleichnamigen klassischen Aufsatzband, "Typisch evangelisch".Die Antwort klingt simpel: Typisch evangelisch ist, was dem Grundmuster des Evangeliums folgt (5). Mit dieser bewusst konfessionsungebundenen Maßgabe geht der Autor in fünf Aufsätzen (Erstveröffentlichung 1983-1990) den grundlegenden Themen des Glaubens nach, wobei er sich eng an der Theologie Martin Luthers orientiert.Der erste Aufsatz legt den Grund für das Verständnis der "Rechtfertigung des Gottlosen". Kettling beschreibt anschaulich und radikal die Wirklichkeit des "Fleisches", in der der gottlose Mensch lebt und kennzeichnet sie mit Luther als "Welt-Sucht" und als "Selbst-Sucht". An drei Modellen zeigt er auf, wie sich Sünde äußern kann: Im Verstoß gegen die Gebote, in Hochmut und ' woran man zunächst nicht denken würde ' ebenso in Verzweiflung. Für den zuletzt genannten Sündentyp wird Luther (!) selbst als Beispiel herangezogen, der das Gesetz zu seinen Zeiten als Mönch von der Gnade isolierte und Gott darum als "sadistischen Sklavenhalter" (14) empfand. Paulus und dem Reformator folgend, schildert Kettling in ebenso leuchtenden Farben, welche Rettung die Rechtfertigung für den Menschen bedeutet. Gottes Gerechtigkeit ist Christus selbst und mit ihm wird der Sünder zu "eine[r] Person": "Ich darf Christus und mich nicht unterscheiden" (19f.).Im zweiten Kapitel geht es um die Beziehung zwischen "Rechtfertigung und Heiligung". Ausgehend von Epheser 2,8-10 zeigt der Autor, dass man sich deren Verhältnis nicht als ein Stufenmodell vorstellen darf und erst recht keinen Subjektwechsel beobachten kann: Gott wirkt alles in allem. Daher beschreibt er "Rechtfertigung als den gottgewirkten Weg zum Heil, Heiligung als den gottgewirkten Weg im Heil" (44). Eindringlich warnt er davor, einen der beiden "Pole" zu isolieren, indem er die negativen Folgen als "Krankheitstypen" beschreibt. Dies ist die einzige Stelle, an der Kettling die römisch-katholische Gnadenlehre als negatives Beispiel nennt, in dem die Rechtfertigung vergessen werde (65f.).Kapitel drei und vier behandeln den brisanten Streit um die Frage nach der menschlichen Willensfreiheit. Die konträren Positionen werden durch eine kompakte und gut strukturierte Darstellung der Auseinandersetzung Luthers mit Erasmus von Rotterdam präsent gemacht. Für Kettling liegt in der Annahme des unfreien Willens ein unverzichtbarer Kern dessen, was er "typisch evangelisch" nennt: "Wer aber evangelisch ist, der kann nicht anders evangelisch sein als mit dem frohen dankbaren Ja zum unfreien Willen!" (85).Hervorragend ist der "Dialog", in den der Autor nun mit dem Reformator tritt, wenn er ihm die Fragen, Bedenken und Einwände vorträgt, die bei dieser Thematik auch dem heutigen Leser stets präsent sind: Wenn allein Gottes Erbarmen den Glauben schafft, welchen Sinn hat dann die missionarische Verkündigung? Wie passt der unfreie Wille zu den Imperativen der Bibel und vor allem zur Prädestinationslehre? Kettling lässt LUTHER selbst mittels Zitaten oder, indem er ihm sinngemäße Antworten in den Mund legt, auf die Fragen antworten. So werden die biblisch-reformatorischen Inhalte greifbar und lebendig sowohl für das eigene Nachdenken als auch für das Gespräch mit anderen.Das letzte Kapitel ist der Frage gewidmet, wie man das dargestellte radikale, unbequeme und für den Zeitgenossen oft fremde Evangelium weitersagen kann: "Wie soll man heute von Gott reden?" Zunächst zeigt Kettling in Analogie bzw. Abgrenzung zum juristischen Zeugen vier Merkmale auf, die einen Zeugen Jesu ausmachen. Dann bestimmt er in vier Leitsätzen und deren Ausführung die Ebenen, auf denen sich Zeuge und Hörer begegnen (emotional, rational, personal und real). Der Fokus liegt dabei auf den Rechten, die der Hörer hat.Für das Gespräch und die Predigt warnt der Autor zunächst in karikierender Form vor zwei Ansätzen: dem anthropologischen Bedürfnis-Erfüllungs-Modell mit der Werbestrategie "Jesus macht dich glücklich" (170) und dem abstrakt-theologische Konfrontationsmodell, das man am besten mit dem Slogan "Friss-oder-stirb-Verkündigung" beschreiben kann. Anschließend stellt er einen dritten Weg dar, der an der Christologie orientiert, weder rein "von unten" (vom irdischen Jesus) noch ausschließlich "von oben" (vom erhöhten Christus) redet, sondern das "Oben im Unten" zeigt. Das in diesem Kapitel Gesagte verdeutlicht Kettling in drei Skizzen. Er schließt mit dem Wunsch nach gestorbener und wiedergeborener, also erneuerter Sprache für dieses Zeugnis. Alltägliche Worte werden durch Tötung und Auferweckung verwandelt und anders gefüllt: Wasser wird zu "lebendigem Wasser", die Heimat ist "in den Himmeln". Kein menschliches Wort "kann gradlinig von dieser Welt ins Reich Gottes geführt werden" (181). Dies geschieht im Licht der Christusoffenbarung, im Bewusstsein, dass das Wort selbst Fleisch geworden ist.Auf begeisternde Art und Weise gelingt es Kettling in jedem einzelnen seiner Aufsätze, die Theologie Luthers mit viel Leidenschaft und in immer wieder neuen, ausdrucksstarken und teils auch recht amüsanten Bildern zu veranschaulichen und in Anknüpfung an moderne Theologen (u. a. Adolf Schlatter, Paul Tillich und Dietrich Bonhoeffer) ihre grundlegendsten Elemente darzulegen. Die allgemeinverständlichen Formulierungen und die Tatsache, dass alle lateinischen Zitate ins Deutsche übersetzt werden, lassen die Aufsätze auch für Nichttheologen zu einer gewinnbringenden Lektüre werden. Dies wird auch durch die gut strukturierte, systematische Darstellung unterstützt, die so zwar leider im Inhaltsverzeichnis nicht zu finden ist ' hier werden nur die Titel der Aufsätze genannt ', die der Autor dafür aber stets zu Beginn seiner jeweiligen Ausführungen transparent werden lässt.Ein großer Vorteil ist, dass die Kapitel unabhängig voneinander gelesen werden können ' mit dem kleinen Makel, dass sich zwangsläufig einzelne Beispiele, Zitate und Formulierungen wiederholen, besonders in den Aufsätzen mit ähnlichen Themenschwerpunkten (der erste und zweite sowie der dritte und vierte). An Stelle von Fußnoten wird mit Endnoten gearbeitet, was das Nachschlagen von Anmerkungen und Quellenverweisen etwas umständlich macht. Aber diese geringfügigen äußeren Kritikpunkte tun dem großen Gewinn für den Leser keinen Abbruch. Ihm wird ein guter Überblick über die grundlegenden biblisch-reformatorischen Positionen gegeben. Die Lektüre erweist sich daher ' wie ich aus eigener Erfahrung weiß ' auch als Fundgrube für die Vorbereitung von Referaten und Hausarbeiten.Wer bei dem Titel des Buches eine Streitschrift gegen die römisch-katholische Kirche erwartet, wird enttäuscht werden. Wer aber über die Kernpunkte des Evangeliums nachdenken möchte, wird in diesem Sammelband seine Fragen in radikaler und existenzieller Weise bearbeitet finden. Er wird ermutigt und voll der "evangelischen Freude" (5) sein, die Kettling (m. E. erfolgreich) beim Leser wecken möchte, ' aber sicherlich auch herausgefordert werden. Gerade in unserer Zeit, die wir die "Postmoderne" nennen, in der so vieles ' auch in der evangelischen Kirche ' als beliebig und profillos empfunden werden kann, schlägt das Buch eine klare Schneise.Christine Schaakichthys 26 (2010), 114-116