Read Leben im Netz by Sherry Turkle Online

Title : Leben im Netz
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ISBN : 3498065173
ISBN13 : 978-3498065171
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt, Reinbek 1998
Number of Pages : 470 Pages
File Size : 982 KB
Status : Available For Download
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Leben im Netz Reviews

  • None
    2020-02-09 21:23

    Sherry Turkle greift das Thema Internet von einer ganz neuen Seite auf. Es handelt sich hierbei um ein Sachbuch, das jedoch einfach und verständlich viele Themen rund um das Internet aufgreift. Künstliche Intelligenzen, künstliches Leben, Computerprogramme, die den Psychiater ersetzen sollen, computergesteuerte Persönlichkeiten, die fast nicht vom Menschen unterschieden werden können und vieles mehr wird aufgegriffen und mit lebensnahen Beispielen und Aussagen untermalt und belegt. Kernstück Turkles Arbeit ist die Beschäftigung mit virtuellen Gemeinden. Hierbei wird sehr anschaulich erläutert, wie sich Gemeinschaften im Internet bilden können, was sie ausmacht und welche Wirkung dies auf unser Verständnis vom Selbst hat. Ihre These ist, dass das Internet uns eine Möglichkeit bietet, zu erkennen, dass wir nicht eine klar definierte Identität besitzen, sondern "Viele" sind. Das Ausleben verschiedener Persönlichkeiten in Online-Welten, virtuelle Partnerschaften und sexuelle Erfahrungen innerhalb eines andersgeschlechtlichen virtuellen Körpers, ja sogar der Ausbau einer stischen Persönlichkeit innerhalb einer Homepage sind Optionen, die uns das Internet bietet und somit einen neuen Erfahrungsraum im Sinne der Postmoderne eröffnet. Das dezentralisierte, multiple Ich ist nicht länger Teil eines psychologischen Krankheitsbildes sondern Bestandteil eines jeden Menschen. Mich persönlich hat das Buch sehr zum Nachdenken über mich selbst angeregt. Die vielen Beispiele aus Turkles langjährigen Untersuchungen machen dieses Buch selbst für weniger Internet-Interessierte zu einem Leseabenteuer, in dem er im günstigsten Fall eine Menge über sich selbst erfährt.

  • stefanw190
    2020-02-16 00:36

    Die Autorin ist Psychologin und beleuchtet die Computerszene aus dem Blickwinkel ihres Fachs. Ein roter Faden ist nicht erkennbar, vielmehr behandelt sie in drei Teilen drei völlig verschiedene Fragestellungen:1. Wie ändert sich die Sichtweise des Benutzers dadurch, dass ihm im Zeitalter der grafischen Benutzeroberflächen die wirklichen Vorgänge immer mehr verborgen bleiben? 2. Sind Computer "intelligent" oder "lebendig" oder werden zumindest so empfunden? 3. Welche psychologischen Beweggründe treiben Menschen in sogenannte MUDs (multi user dungeons) und in welcher Beziehung stehen der Mensch und seine Rolle im Spiel?Diese Unterteilung macht auch eine getrennte Rezensierung nötig.Der erste Teil ist (man muß es leider so hart sagen) postmodernes Geschwafel. Soweit sich überhaupt ein Inhalt erkennen läßt, besteht er anscheinend in dem fundamentalen Irrtum, durch das Aufkommen der Objektorientierung/Ereignissteuerung bei grafischen Benutzeroberflächen sei das analytische Denken durch etwas Postmodernes ersetzt worden. Der Text ist jedoch insgesamt so verworren, dass vielleicht auch andere Deutungen möglich sind.Der zweite Teil besteht aus ein bißchen KI-Propaganda und der Schilderung von Weizenbaum's ELIZA, Evolutionsexperimenten auf dem Rechner (SimLife) sowie Conways "Game of life". Wer (wie die Autorin) Zusammenhänge zwischen diesen Bereichen sieht, muß doch wohl etwas mißverstanden haben. Immerhin sind ein paar interessante Informationen enthalten: dass Psychologen ernsthaft erwogen haben, ELIZA-ähnliche Programme an Stelle eines menschlichen Therapeuten einzusetzen, macht betroffen. Insgesamt muß es aber doch erstaunen, dass es die Autorin offenbar nicht geschafft hat, sich über den fachlichen Inhalt der genannten Bereiche einigermaßen zu informieren.Der dritte Teil des Buches ist der relativ beste. In der Tat liegt die Frage nahe, welche Beziehung zwischen dem (spielsüchtigen) Menschen und seinen von ihm im MUD gespielten Rollen besteht. Sie wird jedoch nur unzureichend beantwortet, was auch daran liegt, dass nur wahllos einige wenige Spieler interviewt wurden. Nötig wären aber offenbar einige quantitative Aussagen; hier könnte jeder Administrator eines MUDs bessere Auskunft geben als das vorliegende Buch. Gewarnt werden muß vor der übertrieben emphatischen Sprache der Autorin. Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches kann es in allen Fällen nur um Textadventures und z.B. nicht um die bildliche Darstellung der "besuchten" Orte oder gar von Sex, Gewalt etc. gehen. Die (sicherlich psychologisch kompetente) Schilderung einzelner Fallbeispiele von Menschen, die aus dem "real life" in die MUDs flüchteten, gehört zu den ganz wenigen Stärken des Buches.Insgesamt gibt es nur einen Stern. Der Informationsgehalt des Buches ist extrem gering, die weitschweifigen Ergüsse postmoderner Philosophie stehen kaum in irgendeinem Zusammenhang mit der Realität. Ärgerlich ist vor allem die Irreführung des Käufers, denn die ersten beiden Teile des Buches stehen in keinem Zusammenhang zum Internet, und MUDs sind (und waren auch damals schon) nur der unwichtigste Aspekt.