Read Die Gleichung des Lebens: Roman by Norman Ohler Online

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Sommer 1747.K nig Friedrich II will die Sumpfgebiete stlich von Berlin trockenlegen, um dort Fl chtlinge anzusiedeln Wo noch Fische, Schildkr ten und Wasserv gel in berw ltigender Artenvielfalt leben, sollen K he grasen und die Kartoffel wachsen Es ist die Zeit vor der gewaltigen Johanni flut, die das Bruch wie seit Urzeiten berschwemmen wird Unter den wendischen Fischern herrscht Unruhe sie f rchten den Untergang ihrer Welt Als der Ingenieur Mahistre tot am Oderstrand angetrieben wird, bernimmt das Mathematikgenie Leonhard Euler die Ermittlungen und ger t pl tzlich selbst ins Visier Nur die Begegnung mit Oda, der Tochter des Anf hrers der Wenden, kann sein Leben noch retten Ein hervorragend recherchierter, atmosph risch dichter Roman mit einer erstaunlichen Vielfalt an Figuren und Stimmungen Vor dem Hintergrund des 18 Jahrhunderts entsteht ein Tableau um Verdr ngung, Angst vor dem Fremden und Kolonialisierung, das wie ein Spiegelbild unserer Gegenwart wirkt....

Title : Die Gleichung des Lebens: Roman
Author :
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ISBN : 3462049682
ISBN13 : 978-3462049688
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Kiepenheuer Witsch 7 September 2017
Number of Pages : 160 Pages
File Size : 776 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Gleichung des Lebens: Roman Reviews

  • Peter
    2020-03-25 21:33

    Bei CD 3 aufgehört. Ist auch kein hist. Roman sondern ein hist. Krimi.

  • Musica Viva
    2020-03-30 00:43

    Kein historischer Roman im eigentlichen Sinne, auch kein Naturepos bzw. Ökomärchen. Und doch spielt das Wasser der Oder eine große Rolle, "moderne" Figuren wie der Mathematiker Euler spielen genau wie "Ureinwohner" des Bruchs (Radomeer, Oda) ihre Rolle. Wie in einer antiken Tragödie wachsen die Personen und Rollen zusammen, verschlingen sich und bilden gemeinsam das Tableau einer langsam entwickelten Story, die nicht nur das Trockenlegen des Oderbruchs, sondern auch Mentalitätsbrüche und einen Kriminalfall enthält. Viel mehr soll hier nicht verraten werden, vielleicht nur noch, dass die Reaktionen der "alten Brücher" an heutige Reaktionen im Osten Deutschlands erinnern - wo der "Fluss der Zeit" bzw. "Strom der Flüchtlinge" immer mehr die Gemüter erhitzt. Ohler hat aber sicher nicht vor, hier indirekt seine Meinung zu sagen. Er schreibt einfach einen guten Roman!

  • Herbstblatt
    2020-03-12 00:19

    Umweltzerstörung, Migration und Mord sind die spannenden Inhalte für diesen historischen Krimi, welcher im Sommer 1747 im Oberbruch spielt. Der Mathematiker Leonard Euler wird vom König Friedrich dem Großen gleich um drei Dinge gebeten: einen Mord aufzuklären, die Trockenlegung des Oderbruches zu Ende zu stellen und die neue Superfrucht Erdtoffel in der Bevölkerung zu etablieren. Das Ganze soll der Untertan seiner Majestät nicht am Berliner Schreibtisch an der Akademie klären, sondern vor Ort im Oderbruch, einem Sumpfgebiet östlich von Berlin. Und so reist der Schweizer Gelehrte etwas missmutig in das noch halbwegs unberührte Gebiet der aufrührerischen Wenden. Deren Leben ist noch eng verbunden mit der Natur in dem vom Fischreichtum beglückten preußischen Amazonas der Oder. Doch die Zerstörung ihres Biotopes hat bereits begonnen. Der Oder-Kanal wird gebaut, auch wenn der leitende Ingenieur ermordet worden ist. Der Preußenkönig Friedrich II. benötigt das Land für die Ansiedlung von Kolonisten aus anderen Teilen Deutschlands. Diese sollen das Land zu fruchtbaren Ackerland umgestalten, um die steigende Bevölkerung in Berlin zu ernähren. Der Anbau von Kartoffel ist ertragreicher als der Anbau von Getreide, welches stärker den Witterungseinflüssen ausgesetzt ist.Unterschiedliche Interessenlagen behindern die Umsetzung des Projektes. Da sind die wendischen Fischer, welche Angst um ihre Natur haben, die Hechtreißer in Wrietzen, die ihren florierenden Fischhandel in Gefahr sehen und der Adel beklagt das Ende der Leibeigenschaft, da die Kolonisten freie Bauern unter Schutz des Königs sind.Die Angst der Einheimischen vor dem Fremden ist bis heute ein aktuelles Thema. Die Neusiedler wurden vom König bevorteilt und diesen Status missgönnten die Untertanen den Fremden. Auch heute bewegen uns noch diese Themen. Es gibt Unruhen und Parteien, die sich dieses Themas annehmen und es ausnutzen, statt Lösungen zu finden.S. 319„>>Ein Staat, der Ausländer den Eingeborenen vorzieht<<, begann Schmettau vorsichtig, aber klar in der Wortwahl, da er wusste, dass Friedrich die deutliche Aussprache schätzte, >> erweckt den Neid seiner Untertanen und verschließt sich ihrer Herzen. Welcher Vater nährt fremde Kinder und lässt die eigenen darben? Selten auch werden Ausländer Patrioten und gute Bürger. Sie laben sich zwar an den Brüsten des Staates, verlassen ihn aber zur Zeit der Not und der Gefahr. Ankömmlinge, Flüchtende, Kolonisten, Einwanderer – wie auch immer man sie nennt – werden sich darüber hinaus in moralischer Hinsicht noch über Generation hinweg von den Eingesessen unterscheiden und eben nicht zu ihrem Vorteil.<<“In diesem Roman erfährt man viel über die Gebräuche, Lebensweisen, Essgewohnheiten, Kleidung und Ritten. Das Buch ist vom Autor hervorragend recherchiert.S. 153 –„Musste man sich wirklich zweimal pro Tag die Zähne putzen, auch auf Reisen? Katharina hatte ihm diese Zubereitung mitgegeben, angeblich gesund für das Zahnfleisch. Er schraubte den Deckel auf, roch daran – ein Hauch von Schilf-, drückte eine erbsengroße Menge auf ein für diesen Zweck zurechtgeschnittenes Läppchen und rieb seine Zähne ein.“Die Inhalte des Buches sind sehr komplex und sprengen den Rahmen für nur eine Geschichte, die leider im Laufe des Buches nur noch zum Krimi verkümmert. Für die Lösung des Mordes kommt der preußische Sklavenhandel an der afrikanischen Goldküste ins Spiel. Von hier kommen die Tatwaffen für die Morde an den Ingenieur, den Vorarbeiter und den fünf Arbeitern.Dagegen lenken Beschreibungen wie zum Beispiel über den Streit zwischen König Friedrich und Euler, um die Beschaffung der Wasserrohre für den Bau der Fontänen in Sanssouci ab. Das Thema Umweltschutz kommt mir im Buch etwas zu kurz.S.377>>„Sperlinge“, sagte Friedrich, „sind eine Gefahr für Blumen und Obstgärten. Fressen Saatgut. Saugen meine geliebten Trauben aus. Pro Stück zahle ich fortan einen Pfennig. Man soll mir die Köpfchen liefern, als Beweis. Die schicken wir dann zur Verbrennung: Dünger für das neue Land. Mein Preußen ist bald spatzenfrei! – Rumi, schreiben Sie mit, damit es nicht vergessen wird. Ich verfüge hiermit: Ratten, Mäuse, Heuschrecken, das brauchen wir alles nicht. Maulwürfe, Wiesel, Igel und Füchse, wilde Katzen, Bibel und anderes Gefleuch: In meinen Staat ist kein Platz. Auch Hamster werden wir exterminieren, von Bär, Luchs und dem verschlafenen Wolf spreche ich gar nicht erst. Die können in Russland sein, aber nicht hier bei uns.“ „Und wenn wir dann keine Tiere mehr haben, es macht doch nichts. Dann werden wir den mechanischen Mensch züchten. L homme machine.<

  • Feuilletonscout (mehr vom Feuilletonscout unter gleichnamiger Website)
    2020-04-10 03:16

    „Wir werden dafür sorgen, dass er aus den Geschichtsbüchern verschwindet“ – und in der Tat konnte Friedrich der Große den großen Mathematiker Leonhard Euler, der in St. Petersburg Erfolge feierte und nach dem Formeln benannt wurden, zumindest in der Berlin-Brandenburgischen Geschichte auf einen Platz in den hinteren Rängen verweisen. Und das, obwohl der Schweizer rund 25 Jahre in der preußischen Stadt lebte. Die Straße, die man in Berlin nach ihm benannte, liegt im nördlichen Wedding, versteckt und unscheinbar, umgeben von anderen Straßen unbekannten Namens. Sein Wohnhaus, das heute in der Behrenstraße in Berlin-Mitte zu finden ist, gehört auch nicht in die Liga der touristischen Hotspots. Dabei hatte der König den genialen Mathematiker 1741 nach Berlin an die Akademie der Wissenschaften gerufen und 1747 dafür eingesetzt, die Berechnungen für die Trockenlegung des sumpfigen Oderbruchs durchzuführen. Hier sollten Äcker entstehen, Roggen, Weizen und Gerste sich im Wind wiegen und die gerade entdeckte „Erdtoffel“ wachsen.Dieses Mammutprojekt war ein Erbe Friedrich Wilhelms I., dem das Ganze zu teuer geworden war. Doch der Alte Fritz, damals erst Mitte dreißig, stemmte das Unterfangen zwischen den Schlesischen Kriegen zwei und drei, als die Staatkasse schon stark dezimiert war, mithilfe von 1600 Arbeitern, darunter viele Soldaten, dem holländischen Wasserbauer Simon Leonhard von Haerlem und eben mithilfe Leonhard Eulers, der die Berechnungen für die Begradigungen des Oderlaufs anstellte.Dass dies nicht ohne Proteste und Widerstände der Einheimischen ablief, ist historisch verbrieft. Und neben Überschwemmungen und Sumpffieber standen die Modernisierer einer teils widerspenstigen Bevölkerung gegenüber, die nur mit Waffengewalt zu zähmen war. Aufklärer gegen Bewahrer, Fortschrittglaube gegen die Mystik des naturgewaltigen Oderbruchs sind dann auch die umspannenden Themen dieses ausgezeichneten Romans von Norman Ohler. Zehn Jahre lang recherchierte er über den Oderbruch, seine Natur- und Tierwelt. Er sprach mit Historikern, forschte in Archiven – und schuf mit „Der Gleichung des Lebens“ ein detailgetreues Gemälde dieses einst so unzugänglichen Landstrichs, der entgegen den Weissagungen Friedrich des Großen vielleicht nicht für damalige, aber doch für heutige Verhältnisse, immer noch dünn besiedelt ist. Genaue Beschreibungen der Essgewohnheiten, der Kleidung und des Fischfangs wie –handels und das Hechtreißen in Wriezen ermöglichen ein tiefes Eintauchen in eine Zeit, die mit der Urbarmachung unwiederbringlich verloren und dennoch überraschend aktuell ist. So manches Gespräch, so manche Haltung der Brücher, so manche Ängste prägen auch Diskussionen von heute. Der Eingriff in die Natur ebenso wie die Furcht vor Fremden – Friedrich der Große warb Kolonisten aus Pommern, Sachsen, Schwaben, Franken, dem Vogtland, aus Polen, Böhmen und aus der gesamten Mark, um das Land zu besiedeln und versprach ihnen enorme Vergünstigungen – sind Themen, die immer noch oder wieder die Menschen bewegen.Und auch damals gab es Aufruhr – und Tote. Der französische Ingenieur Mahistre stirbt, was historisch belegt ist. Doch Norman Ohler macht daraus nicht nur einen überraschenden, sondern auch ungeklärten und geheimnisvollen Todesfall, den Leonhard Euler klären soll. Ebenso rätselhaft der Tod des Vorarbeiters und die schweren Fieber, die Arbeiter wie Zugereiste – namentlich Simon Leonhard von Haerlem und Leonhard Euler selbst, erfassen. Langsam wie die Oderflut in diesem heißen Juli 1747 heranrollt, entspinnt Norman Ohler seine Geschichte, porträtiert Menschen wie Landschaft, macht Traditionen und Lebensweisen erfahrbar. Ihm ist ein großartiger historischer Roman gelungen, bei dem das Wort „historisch“ seiner Bedeutung mehr als gerecht wird. Eine leise Lehrstunde über die Modernisierung in bewegter Zeit.Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar erhalten, was jedoch keinen Einfluss auf meine Bewertung hat.