Read Die Erschaffung des Monsters: Elend und Macht in Marseille by Philippe Pujol Online

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Marseille, Inbegriff von mediterraner Weltoffenheit, ist zugleich ein st dtischer Kosmos, in dem massive soziale Gegens tze aufeinanderprallen Philippe Pujol beschreibt die Stadt und ihre Akteure, von den minderj hrigen Stra endealern bis zu der unheiligen Allianz zwischen Lokalpolitikern und Immobilienhaien Wie in einem Brennglas zeigt er, was auch anderswo in Frankreich, ja europaweit zunehmend politischen und sozialen Sprengstoff birgt Korruption und Klientelismus, ganze gesellschaftliche Bereiche, die in Armut, Kriminalit t und Perspektivlosigkeit versinken und so zum N hrboden politischer Radikalisierung werden Eine aktuelle Reportage von enormer literarischer Kraft und politischer Brisanz....

Title : Die Erschaffung des Monsters: Elend und Macht in Marseille
Author :
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ISBN : 3446256865
ISBN13 : 978-3446256866
Format Type : Hardback
Language : Deutsch
Publisher : Hanser Berlin 21 August 2017
Number of Pages : 595 Pages
File Size : 776 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Erschaffung des Monsters: Elend und Macht in Marseille Reviews

  • Besim Karadeniz
    2020-02-06 13:59

    Philippe Pujol ist ein bemerkenswertes journalistisches Werk über die gesellschaftlichen Zustände der französischen Mittelmeerstadt Marseille gelungen. Als Kenner der dortigen Unterwelt beschreibt er das Elend der Armensiedlungen und deren Abhängigkeiten in die Welt der Kriminalität und Korruption, die in Marseille seit Jahrzehnten wuchern und die Stadt fest im Griff haben. Zwar sind die Namen der Lokalpolitiker für Nicht-Franzosen weitgehend unbekannt, dennoch ist das Buch ein hervorragender Einstieg in weitere Recherchen.

  • Hamlet
    2020-02-09 14:08

    Marseille, Metropole am Golfe du Lion, zweitgrößte Stadt Frankreichs, 2013 Kulturhauptstadt Europas, alles so schön bunt hier und multikulti, was natürlich ganz besonders die Touristen freut. Aber auch Spitzenreiter in den alljährlichen Kriminalitätsstatistiken. Eine Stadt der Gegensätze: Reichtum und Armut, Heimat des wohlsituierten Bürgertums, aber auch Hafen für Migranten aus aller Herren Länder.Der mehrfach ausgezeichnete Journalist Philippe Pujol lebt und arbeitet in Marseille und liefert mit „Die Erschaffung des Monsters: Elend und Macht in Marseille“ eine aktuelle Bestandsaufnahme der Zustände in „seiner“ Stadt, die aber gleichwohl stellvertretend für alle größeren Städte in Frankreich steht. Die problematischen Viertel, die Banlieues, hier als „Zones urbaines sensibles“ bezeichnet, sind im Norden zu finden. Hier türmen sich marode Sozialbauten, heruntergekommene Wohnblocks, in denen überwiegend Migranten aus dem Maghreb und den ehemaligen französischen Kolonien hausen. Ja, hausen und nicht leben, denn als solches kann man es angesichts der menschenunwürdigen Zustände, die dort herrschen, nun wirklich nicht bezeichnen. Gewalt ist an der Tagesordnung. Revierkämpfe, Schlägereien aus Langeweile – es ist die Armut und die Perspektivlosigkeit, die viele Jugendliche in die Kriminalität abdriften lässt. Der Drogenhandel verspricht schnelles Geld, aber sollten sie bei ihren Aktionen verhaftet werden, sitzen sie ihre Strafe ab und machen nach ihrer Entlassung dort weiter, wo sie aufgehört haben. Es gibt zwar engagierte Sozialarbeiter, aber deren Programme sind nur Tropfen auf den heißen Stein.Im zweiten Teil der Reportage erläutert der Autor aus seiner Sicht die Ursachen und zeigt auf, warum sich an diesen grauenhaften Zuständen in absehbarer Zeit nichts ändern wird. Alles steht und fällt mit dem ausgeprägten Klientelismus der politischen Entscheidungsträger, an deren Spitze seit 1995 Bürgermeister Jean-Claude Gaudin. Diese waten in einem Sumpf aus Korruption und Klientelpolitik (im Wesentlichen für die Baubranche), der einerseits ihren Unterstützern satte Profite garantiert und andererseits ihre eigene Macht und Einfluss festigt. Ein kriminelles Netzwerk, das sich über Jahrzehnte hin etabliert hat und keinerlei Interesse daran hat, an den Lebensbedingungen in den Elendsvierteln etwas zu ändern, gründet sich darin doch ihr Reichtum.Pujol hat sich vor Ort ein Bild gemacht und sehr viel Zeit in den Vierteln verbracht, in die sich Außenstehende kaum noch hinein trauen. Genaue Beobachtungen und unzählige Gespräche mit den Bewohnern, ganz gleich, ob Familien oder Kleinkriminelle vermitteln dem Leser ein authentische Bild dieser widersprüchlichen Metropole.Ergänzend dazu empfehle ich die Lektüre zweier Kriminalromane, deren Handlung in Marseille verortet ist: „Die Marseille-Trilogie“ von Jean-Claude Izzo und „Schwarzes Gold“ von Dominique Manotti. Interessant auch, was die beiden Autoren kurz und knapp über diese Stadt der Parallelgesellschaften sagen. Izzo nennt Marseille „eine schillernde Stadt, ein Knäuel von Fantasien und Lügen, Trugbildern und Täuschungen“, Manotti bezeichnet sie als „eine furchterregende Stadt. Alle kennen sich, alle überwachen einander. Nichts bleibt verborgen und nichts kommt ans Licht“. Aber vielleicht sieht Pujol genau darin seinen Auftrag, denn indem er in seiner Reportage die Lebensbedingungen der Abgehängten aufzeigt, schärft er – zumindest bei seinen Lesern – den Blick für all das, was nicht nur in Frankreich schiefläuft.Nachdrückliche Leseempfehlung!

  • Kitebert
    2020-02-13 17:58

    Nur als Ergänzung zu den anderen Rezensionen: Pflichtlektüre für jeden Politiker, wohin sich eine Gesellschaft entwickeln kann.....und düstere Prognosen für unsere Städte, in denen sich inzwischen auch immer mehr die Immobilienpolitik á la Marseille durchsetzt; Elend erzeugt nur neues Elend.

  • Nomas Literaturblog
    2020-02-26 19:06

    Es ist gut 15 Jahre her, als mir jemand erzählte, dass er aus Marseille stammt. Ich für meinen Teil war begeistert und meinte, dass dies sicherlich ein sehr schöne Stadt wäre. Worauf die Replik kam, es gäbe dort sehr viel Kriminalität. Was ich wiederum schulterzuckend zur Kenntnis nahm, denn so kann es alles nicht sein – es ist schlimmer.Wer das Buch liest, kann sich nicht vorstellen, dass solche Wohnviertel in Europa überhaupt existieren, diese Gewalt, diese Hoffnungslosigkeit, unternährte Babys, 10jährige Kinder, welche schon drogensüchtig sind und von einer Gangsterkarriere träumen; 17jährige, welche praktisch illiterat sind und deren Knastkarriere schon im vollen Gange ist. Beschrieben wird auch das Sozialsystem durch entsprechende Vereine drum herum, welche die Korruption fördert und bis in höchste Politikerkreise reicht.Anzumerken ist allerdings, dass es eines der Bücher ist, für deren Thema man sich wirklich sehr interessieren muss, sonst wird die Lektüre trotz des leichten Schreibstils schnell schwergängig. Französische Besonderheiten in der Politik werden durch Fußnoten erklärt.FazitIch wollte immer mal nach Marseille, aber das ist mir ein zu heißes Pflaster.